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Doghouse
110654
Tangram
(1980)
Tangerine Dream
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Label: Virgin Records Ltd.
Duration: 40:14
Genre: Instrumental, Electronic, Soundscape

Mit "Tangram" kehrten Tangerine Dream nach den Experimenten mit "herkömmlicheren" Instrumenten wieder zum fast auschließlichen Einsatz von Elektronik zurück. Das heißt nun aber nicht Rückkehr zu alten Zeiten, sondern der Klangcharakter des hier verwendeten Instrumentariums ist völlig anders, alles klingt viel "kälter". Auffällig ist das fast völlige Fehlen der für frühere TD Werke so typischen Sequenzermuster und des Mellotrons. Wie schon auf "Force Majeure" sind die beiden Stücke dieses Albums eigentlich eine Abfolge mehrerer kürzerer Stücke. Auf "Tangram" passt aber alles besser zusammen, es wirkt nicht so zerrissen wie auf "Force Majeure". Insgesamt gehört "Tangram" zu den besseren TD Werken der 80er Jahre.

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Die kurze Phase von "Cyclone" und "Force Majeur", in der Tangerine Dream mit einem Schlagzeug und rockigerem Outfit hantierten, ist schon wieder vorbei. Mit Johannes Schmoelling hat man sich einen Elektronik-Fachmann ins Boot geholt. Und man ist zur rein elektronischen Phase Mitte bis Ende der 70er zurückgekehrt. Immerhin sollte diese Bandzusammensetzung für die nächsten paar Jahre stabil bleiben. Der Hauptunterschied zu den Tangerine Dream der 70er ist, dass der Gesamtsound (Jochen nennt es "kälter", ich würde vielleicht sagen:) synthetischer ist; also vom Klang her mehr in Richtung der 80er Jahre-Sounds schielend, der Zukunft zugewandt, die ja leider für TD künstlerisch nicht besonders rosig waren. Hier haben sie aber noch einmal ein ordentliches Werk abgeliefert, das eine Projektion ihrer Vergangenheit in die 80er Jahre darstellt.

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Die Frage ist: klingen Tangerine Dream auf Tangram wirklich "kälter" als auf den Alben der 70er Jahre? Sicher, das Mellotron, das ja schon eine gewisse Wärme ausstrahlt, ist für das Klangbild nicht mehr von besonderer Bedeutung. Dafür gibt es auf Tangram wie gewohnt repetitiv pulsierende Klangmuster zu hören, die sich langsam fortentwickeln - allerdings vom Charakter her nicht mehr wie auf den klassischen Alben. Das Besondere an Tangram ist - neben dem frischen Wind, den Johannes Schmoelling brachte - aber auch der Einsatz damals neuer Synthesizer-Technik, die begann, neue Klangmöglichkeiten zu eröffnen und den Weg in die 80er Jahre einläutete. Der vielfach hochgelobte Sound der 70er Jahre, den auch ich sehr schätze, war ja nicht zuletzt auf eine ungewollte Beschränktheit in den musikalischen Mitteln der Band zurückzuführen, auch wenn die Musiker in den Jahren nach Phaedra ihre technischen Fertigkeiten verfeinerten. Tangerine Dream klingen für mich auf Tangram moderner (immer noch!), leichtfüßiger, heller und last not least melodiöser als zuvor. Mit Tangram bricht die mit Johannes Schmoelling bereicherte Band nach einer Phase der unbefriedigenden Neuorientierung endgültig mit der zuletzt zur Formel erstarrten klanglichen Limitierheit der 70er Jahre. Es ist als wenn man die Rolläden hochgezogen hätte und Sonnenlicht das Zimmer flutet. Mit Tangram beginnt eine kurze innovative Ära in der Bandgeschichte, zu der ich v.a. auch Hyperborea sowie die Live-Alben jener Jahre (Pergamon, Logos, Poland) rechne. Zeitgleich stürzte sich die Band allerdings auch bereits verstärkt auf die Produktion von Filmmusik. Diese Auftragsarbeiten brachten zwar viel Geld, aber führten auch zur Verflachung des Sounds. Auf Tangram leuchtet die Zukunft der Band im neuen Jahrzehnt aber noch taghell. So ist Tangram ein nicht zu unterschätzender Meilenstein in der Geschichte von Tangerine Dream. Wie so mancher Band-Klassiker wurde auch Tangram im Jahr 2008 einer Frischzellenkur unterzogen und als Tangram 2008 neu veröffentlicht. Dabei war das in diesem Fall wirklich kaum nötig.


TrackDuration
Tangram set 119:47
Tangram set 220:27
Original Release: 1980-01-01
Composer: Edgar Froese, Chris Franke, Peter Baumann
Producer: Edgar Froese, Christopher Franke
UPC: 724384026325, 17046180528